22. April 2024  |  Aktuelles

Verlängerte Diacetylmorphin-Mitgabe während der COVID-19-Pandemie - Ergebnisse einer retrospektiven Kohortenstudie

Während der COVID-19-Pandemie erlaubte das BAG Mitgaben von Diacetylmorphin für bis zu sieben Tage – stets in sorgfältiger Absprache zwischen Ärzt:in und Patient:in. Was hatte das für Auswirkungen auf die Gesundheit der Patient:innen und ihre Behandlung? Eine Studie der Arud zeigt: Längere Mitgaben in der heroingestützten Behandlung sind für geeignete Patient:innen sicher und wirksam.

Hintergrund:

Während der COVID-19-Pandemie wurde in der Schweiz eine wichtige Änderung in der heroingestützten Behandlung eingeführt: Patient:innen durften das Medikament (oral eingenommenes Diacetylmorphin, also pharmazeutisch hergestelltes Heroin) nicht mehr nur für zwei Tage mitnehmen, sondern für bis zu sieben Tage. Ziel war es, die Kontakte im Gesundheitswesen zu reduzieren und das Ansteckungsrisiko zu verringern. Unsere Studie untersuchte, welche Auswirkungen diese neue Regelung auf die Gesundheit der Patient:innen hatte.

So wurde untersucht

134 Personen, die Diacetylmorphin einnahmen, nahmen an der Studie teil. Die Forschenden verglichen die Gesundheitsdaten der Patient:innen ein Jahr vor und ein Jahr nach der Einführung der neuen Mitgabe-Regelung. Ausgewertet wurden unter anderem:

  • Notfallaufenthalte im Spital
  • Einnahme von Antibiotika
  • Inhaftierungen
  • Medikamentendosen

Ergebnisse

Das Ergebnis ist eindeutig: Die erweiterte Mitgabe hatte keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der meisten Patient:innen. Weder stiegen die Spitalnotfälle, noch gab es mehr Inhaftierungen oder unerwünschte Veränderungen bei der Medikamentendosis. Über 79 % der Teilnehmenden konnten die neuen, erleichterten Mitgaberegelungen dauerhaft nutzen.

Schwieriger war es für die Patient:innen, die zusätzlich zum oralen Medikament noch Diacetylmorphin injizieren. Sie mussten häufiger wieder zu kürzeren Mitgabezeiten zurückkehren.

Fazit

Die Möglichkeit, Diacetylmorphin für mehrere Tage nach Hause mitzunehmen, ist für die meisten Patient:innen eine sichere und alltagstaugliche Lösung. Die Studie zeigt, dass die Verlängerung der Mitgabezeiten keine nachweisbaren gesundheitlichen Risiken mit sich bringt – im Gegenteil: sie entlastet Patient:innen im Alltag.

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