Anabolika

Die Verwendung von Anabolika stellt eine der neusten, weltweiten Substanzkonsumstörungen dar, die in der Schweiz rund 200'000 Menschen betrifft und mehrheitlich ausserhalb des Wettkampfsports stattfindet. Häufig werden diese Substanzen verwendet, um einem bestimmten Körperbild nachzueifern und sportliche Leistungsziele zu erreichen. Die Konsum-Nebenwirkungen sind komplex, vielseitig und nachhaltig und betreffen sowohl die körperliche als auch die psychische und soziale Gesundheit. Das Suchtpotential ist hoch – bis zu 30% der Konsument:innen entwickelt eine Abhängigkeit.

Haben Sie Nebenwirkungen durch den Anabolikakonsum oder fällt es Ihnen schwer, Ihren Konsum zu kontrollieren oder zu beschränken, ist professionelle Unterstützung empfohlen. Eine körperliche und psychische Gewöhnung an Anabolika kann sich schnell entwickeln, wobei Entzugserscheinungen beim Absetzen ein häufiges Phänomen darstellen. Das Absetzen von Anabolika sollte daher stets unter klinischer Kontrolle mit der nötigen medikamentösen Unterstützung erfolgen.

Im spezialisierten Angebot für Anabolika-Konsument:innen werden Sie respektvoll von einem fachkundigen und fachübergreifenden Team aus der Medizin, Psychiatrie und Suchtmedizin begleitet. Sie erhalten eine individuelle und auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung. Dies ist das erste solche Angebot in Zürich.

So unterstützen wir Sie:

  • Spezialisiertes Angebot: Diagnostik und evidenzbasierte Behandlung von spezifischen Nebenwirkungen durch den Konsum von Anabolika
  • Suchtbehandlung: Information, Abklärung und Beratung, Unterstützung beim Absetzen von Anabolika unter ambulanter Kontrolle und der nötigen medikamentösen Therapie, Nachbetreuung und Rückfallprophylaxe
  • Psychiatrie und Psychotherapie: Abklärung der psychischen Gesundheit und Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen
  • Hausärztliche Behandlung: Diagnostik und Therapie von allgemeininternistischen Begleiterkrankungen
  • Sozialarbeit: Integrierte psychosoziale Unterstützung
  • Aufklärung und Beratung

Gratis Injektionssets

Das Wiederverwenden von Injektionsmatierial für die intramuskuläre Injektion von Anabolika sowie das Teilen von Nadeln, Spritzen und Mehrfachampullen mit anderen Personen birgt ein ausgeprägtes Infektionsrisiko. Die Arud bietet diesbezüglich gratis Injektionssets zur intramuskulären Injektion von Anabolika an, die bei uns abgeholt werden können. Dieses Angebot gilt sowohl für Arud-Patient:innen als auch für Nicht-Patient:innen.

Spezielle rechtliche Situation um Doping/Zielpublikum

Die ärztliche Betreuung und die berufsethischen Regeln von Sporttreibenden unterliegen strengen rechtlichen Auflagen. Diese Bestimmungen regeln die allgemeinen Prinzipien der Sportmedizin und befassen sich mit der speziellen Problematik des Dopings. Eine Zuwiderhandlung gegen diese Auflagen hat insbesondere für den betreuenden Arzt schwerwiegende rechtliche Konsequenzen. Diese beschränken und erschweren ein allgemeines Versorgungsangebot für Anabolika-Konsument:innen. Im Rahmen dieser strengen gesetzlichen Auflagen ist das spezialisierte Versorgungsangebot der Arud aktuell zulässig für:

  1. die keinen Wettkampfsport betreiben, und
  2. die einen aktiven Konsum betreiben, und
  3. die motiviert sind, den Konsum wieder zu beenden.

Kontakt

Möchten Sie uns kennenlernen oder haben Sie Fragen zur Behandlung? Wir sind für Sie da, unkompliziert und vertraulich.

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Sie erreichen uns von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.
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Häufige Fragen

Was sind Anabolika?

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Anabolika (Singular Anabolikum) sind Substanzen, die den Aufbau von körpereigenem Gewebe fördern (vorwiegend durch eine verstärkte Proteinsynthese) und für eine muskelaufbaufreundliche Stoffwechsellage sorgen (sog. anabole Wirkung). Zu den Substanzen mit anaboler Wirkung zählen insbesondere selektive Androgenrezeptor-Modulatoren (SARM’s), anabole androgene Steroide, β2-Sympathomimetika (e.g. Clenbuterol), Wachstumshormone (hGH) und Insulin.

Im Volksmund wird der Begriff Anabolika häufig mit den anabolen androgenen Steroiden gleichgesetzt. Anabolika gehören zur Gruppe der form- und leistungsfördernden Substanzen (sog. «image and performance enhancing drugs» - IPEDs), die häufig zur Verbesserung von Aussehen und Leistung im Fitnessbereich eingesetzt werden, und beinhalten viele weitere Substanzen, die in dem Rahmen angewendet werden.

Wie werden Anabolika angewendet?

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Die Empfehlungen zum nicht-medizinischen Konsum von Anabolika basieren hauptsächlich auf Anekdoten von anderen Konsument:innen und Untergrundbüchern. Die Empfehlungen unterscheiden sich dabei sehr, sowohl bezüglich Dauer des Konsums als auch der Art, Anzahl und Menge der zu konsumierenden Substanzen.

Wichtig zu wissen ist, dass Anabolika selbst dann Nebenwirkungen aufweisen, wenn sie therapeutisch dosiert werden – das gilt auch für Testosteron. Die Dosierungen weichen oftmals beträchtlich vom medizinischen Gebrauch ab und übersteigen diesen um ein Vielfaches. Die vielen verschiedenen anabolen Steroide (und andere Wirkstoffe) werden oft miteinander kombiniert: Einerseits um synergistische Wirkungen zu erzielen und Nebenwirkungen zu vermindern, andererseits um die Regeneration zu beschleunigen. Nicht alle der Medikamente sind dabei für den menschlichen Gebrauch bestimmt. So besitzen manche der Medikamente keine Zulassung (mehr); bei anderen Medikamenten handelt es sich um Substanzen aus der Tiermedizin oder Forschung. Jeder Konsum hat somit Konsequenzen für den Körper, die sich in gewissen Fällen auch nicht mehr rückgängig machen lassen.

Was sind Risiken und langfristigen Auswirkungen beim Anabolika-Gebrauch?

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Die Nebenwirkungen von Anabolika können sehr komplex, weitreichend und nachhaltig sein. Akute Nebenwirkungen, die von Konsument:innen oft in Kauf genommen werden, sind beispielsweise Akne, Hodenschrumpfung, Unfruchtbarkeit, Haarausfall, Abszesse durch die Spritzen und die schmerzhafte Vergrösserung der männlichen Brustdrüse. Bedeutende psychische Nebenwirkungen sind Stimmungsschwankungen, Veränderung im sexuellen Empfinden und Sexualverhalten, sowie Depression bis hin zur Suizidalität, insbesondere beim Absetzen der Anabolika. Andere Konsum-Nebenwirkungen hingegen zeigen oftmals lange keine Symptome und bleiben entsprechend häufig unbemerkt, wie die «stillen Killer» Bluthochdruck, Herzvergrösserung, Herzrhythmusstörungen, Verdickung des Blutes, Leber- und Nierenschädigung. Langzeitfolgen des Konsums können sowohl ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein als auch gewisse Krebserkrankungen. Die Dunkelziffer bei Anabolika-bedingten Todesfällen ist wohl hoch.

Machen Anabolika abhängig und wie ist das Suchtpotenzial im Vergleich zu anderen Substanzen?

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Viele Anabolika-Konsument:innen entwickeln eine Abhängigkeit. Bei anabolen androgenen Steroiden liegt diese bei 25-40%. Dabei schafft es nur eine Minderheit, mit dem Konsum wieder aufzuhören.

Eine solche Abhängigkeit erfüllt alle Kriterien einer Substanzkonsumstörung, die sich z.B. auch bei einer Alkohol- oder Kokainabhängigkeit zeigen. Zu den Kriterien einer Abhängigkeit zählen: Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, Craving, Dosissteigerungen, die bewusste Inkaufnahme von Gesundheitsrisiken durch den fortgesetzten Konsum, erfolglose Absetzversuche und die Vernachlässigung anderer Pflichten zugunsten des Konsums. Gleichzeitig bestehen jedoch auch grosse Unterschiede beim Konsum von Anabolika im Vergleich zu psychoaktiven Substanzen wie Alkohol oder Kokain. So tritt z.B. der erhoffte Belohnungseffekt erst mit Verzögerung ein, d.h. die gewünschte Wirkung auf das Körperbild erfolgt meist mit einer Verzögerung von Wochen oder Monaten. Andere Effekte auf das psychische Wohlbefinden, wie Antriebssteigerung und Erhöhung der Libido, treten hingegen schon früher ein. Wie genau sich eine Anabolika-Abhängigkeit entwickelt, ist noch nicht abschliessend geklärt; in der Fachliteratur werden psychische und körperliche Aspekte diskutiert, die zu dieser Abhängigkeitsentwicklung führen können.

Die Abhängigkeit von Anabolika ist – wie bei anderen psychoaktiven Substanzen auch – von vielen Faktoren abhängig, die individuell unterschiedlich sein können: Z.B. eine erbliche Vorbelastung, persönliche Umgebungsfaktoren sowie soziale Faktoren. Das Abhängigkeitspotenzial von anabolen Steroiden lässt sich gemäss einem Bericht der Weltkommission für Drogenpolitik mit dem von MDMA/Ecstasy, Cannabis oder Amphetaminen (Speed) vergleichen.

Warum sollte das Absetzen von Anabolika in ärztlicher Betreuung erfolgen?

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Beim Absetzen von anabolen Steroiden treten oftmals starke Entzugserscheinungen auf. Diese sind bedingt durch die hormonellen Störungen, die mit dem Anabolikakonsum einhergehen. Mögliche Entzugs-Symptomesind Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, depressive Phasen, erektile Dysfunktion und Störungen der Libido.

Ein besonderes Augenmerk muss beim Absetzen von Anabolika auf die Entwicklung einer Suizidalität gelegt werden: Die Ausprägung und Länge dieses «Downs» ist von vielen Faktoren abhängig und kann häufig nicht vorhergesagt werden. Dabei wird während eines solchen «Downs» oftmals wieder damit begonnen, Anabolika zu konsumieren, wodurch man leicht wieder in eine Abhängigkeit rutscht. Das Absetzen sollte bei suidizalen Symptomen in ärztlicher Betreuung erfolgen, wobei eine adäquate Therapie die Symptome lindern kann und sich die hormonelle Achse schneller erholt.

Wie sieht die rechtliche Situation für ein Versorungsangebot von Anabolika aus?

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Die ärztliche Betreuung und die berufsethischen Regeln von Sporttreibenden unterliegen strengen rechtlichen Auflagen der Standesordnung der FMH (StaO) und dem zugehörigen Anhang 5. Das strafrechtliche Dopingverbot ist im Sportförderungsgesetz (SpoFöG) und der zugehörigen Verordnung (SpoFöV) verankert.

Diese Gesetze gelten sowohl für die ärztliche Beratung und Betreuung von «Sporttreibenden im Allgemeinen» (alle, die sich sportlich betätigen, z.B. im Fitnessstudio, sowie Teilnehmende am «nicht reglementierten Wettkampfsport»), wie auch für die sportmedizinische Tätigkeit von Ärzt:innen bei der Beratung und Behandlung von lizenzierten Athlet:innen eines dem Swiss Olympic angeschlossenen Sportverbandes oder Vereins im Besonderen, inkl. sämtliche Teilnehmer:innen am «reglementierten Wettkampfsport».

Die Dopingbekämpfung in der Schweiz basiert auf einem strafrechtlichen Verbot und einem disziplinarrechtlichen Verbot der Sportverbände und verbietet alle Formen von Doping durch die Ärzteschaft. Weiter ist es Ärzt:innen untersagt, eine Person beim Begehen einer vorstehenden Handlung zu unterstützen (sog. Mittäterschaft), z.B. die medizinische Betreuung und Unterstützung eines Patienten, der Dopingsubstanzen zukünftig einnehmen will.

Gemäss der rechtlichen Bestimmung wird jedoch nur das Verhalten des Arztes, das zu Dopingzwecken erfolgt, unter Strafe gestellt. Die ärztliche Begleitung von Anabolikakonsument:innen respektive Patient:innen mit einer Anabolikaabhängigkeit (aktueller Konsum) im Rahmen des medizinischen Versorgungsangebots der Arud, erfolgt demgegenüber zu Zwecken der Suchtbekämpfung. Im Rahmen einer solchen evidenzbasierten Behandlung stellt eine psychische Diagnose die Grundstörung dar, die einen sekundären Anabolikakonsum bewirkt oder dessen Gebrauch aufrechterhält. Eine somatische Diagnose ist wiederum aufgrund medizinisch indizierter Umstände angezeigt.

Wieso braucht es ein spezialisiertes Versorgungsangebot für Anabolikakonument:innen?

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Der regelmässige Konsum von Anabolika geht mit erheblichen körperlichen und psychischen Risiken einher und weist ein beträchtliches Abhängigkeitspotential auf. Der Konsum ist in der Schweiz sehr verbreitet und es gibt bislang keine spezialisierte medizinische Versorgungsangebote. Es ist dringend angezeigt, die etablierten Massnahmen der Schadensminderung und die sehr gut funktionierenden integrierten Versorgungsansätze der Suchtmedizin dieser Population zugänglich zu machen. Menschen mit Anabolikakonsum sind im regulären Gesundheitswesen zahlreichen Stigmatisierungen ausgesetzt und die meisten Ärzt:innen haben oft nicht viel Erfahrung mit diesem Konsum, was zu einer grossen medizinischen Versorgungslücke für diese Konsument:innen führt. Weiter unterliegt die ärztliche Betreuung von Sporttreibenden strengen rechtlichen Auflagen, was eine ganzheitliche Betreuung durch Ärzt:innen strafrechtlich aktuell limitiert.

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