Forschung für die Praxis

Eine rationale, wissenschaftlich fundierte Suchtmedizin – dafür stehen wir ein! Dank unseren Forschungsprojekten und Publikationen wird unser Angebot laufend evaluiert, weiterentwickelt und ausgebaut. Und zwar immer mit dem Ziel: die körperliche, psychische und soziale Gesundheit und die allgemeine Lebensqualität von Menschen mit Suchtproblemen zu verbessern.

Die Forschungsarbeit der Arud ist unabhängig, praxisorientiert und interdisziplinär ausgerichtet. Inhaltliche Schwerpunkte bilden die Schadenminderung des Konsums legaler und illegaler Substanzen sowie internistische, infektiologische (Hepatitis, HIV) und psychiatrische Fragestellungen. Neben eigenen Projekten beteiligen wir uns an nationalen und internationalen Verbundprojekten.

Laufende Projekte

Schweizerische Hepatitis-C-Kohortenstudie

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Die Schweizerische Hepatitis-C-Kohortenstudie (Swiss Hepatitis C Cohort Study; SCCS) ist eine systematische Längsschnittstudie zur Erfassung Hepatitis C-infizierter Personen in der Schweiz.

Die langfristigen Ziele der SCCS sind:

  • Der Aufbau eines Infrastruktur- und Untersuchungsnetzwerkes zur Förderung der klinischen und biomedizinischen Forschung zum natürlichen Verlauf der Hepatitis C-Infektion (HCV).
  • Die Optimierung und Standardisierung der Behandlung von HCV-infizierten Patienten.

Die SCCS soll Informationen liefern über Faktoren, die das Fortschreiten der HCV-Infektion beeinflussen, um damit zukünftige therapeutische Entscheidungen und Vorhersagen über die Belastung durch HCV-bezogene Krankheiten auf der Bevölkerungsebene zu ermöglichen, sowie epidemiologische Daten bereitstellen, die das obligatorische nationale Überwachungssystem des Bundesamts für Gesundheit ergänzen.

Projektleitung

David Semela, Dr. med. (Chairman), Bereich Gastroenterologie und Hepatologie, Kantonsspital St.Gallen

Projektleitung Arud

Philip Bruggmann, PD Dr. med., Fachleitung Innere Medizin

Auftraggeber

Schweizerische Expertengruppe für virale Hepatitis (SEVHep)
Schweizerische Arbeitsgruppe für das Studium der Leber (SASL)

Kooperationspartner

Arud Zentrum für Suchtmedizin

Förderung durch

Schweizerischer Nationalfonds und weitere

Dauer
September 2000 – heute

Schweizerische HIV-Kohortenstudie

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Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie (SHCS) ist eine systematische Längsschnittstudie zur Erfassung HIV-infizierter Personen in der Schweiz.

Es handelt sich um eine Zusammenarbeit der Ambulatorien für Infektionskrankheiten aller Schweizer Universitätskliniken und zweier großer Kantonsspitäler, die alle mit angeschlossenen Labors verbunden sind, sowie von angeschlossenen kleineren Krankenhäusern und Privatärzten, die HIV-Patienten behandeln. Die SHCS ist repräsentativ für die Schweizer HIV-Epidemie.

Das Hauptziel ist, eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten, die HIV-Übertragung zu reduzieren und Forschungen zu HIV-Behandlung, Pathogenese, Co-Infektionen, Immunologie und Virus-Wirt-Interaktionen durchzuführen.

Projektleitung

Huldrych Günthard, Prof. Dr. med. (Präsident), Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene, Universitätsspital Zürich

Projektleitung Arud

Philip Bruggmann, PD Dr. med., Fachleitung Innere Medizin

Auftraggeber
Kooperationspartner

Arud Zentren für Suchtmedizin

Förderung durch

Schweizerischer Nationalfonds

Dauer
1988 – heute

Arud Mortalitätsstudie

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Das Forschungsprojekt umfasst die retrospektive Erhebung der Todesursachen und Grundleiden von verstorbenen Personen, welche zwischen 1992 und 2013 in einem Arud-Zentrum für Suchtmedizin in Behandlung standen.

Bei Personen mit einer Opioidabhängigkeit ist das Mortalitätsrisiko markant höher als in der Allgemeinbevölkerung. Mit Hilfe von Substitutionstherapien kann die frühzeitliche Sterblichkeit zwar reduziert werden, bleibt jedoch substanziell erhöht. Auch unterscheiden sich die Todesursachen von Patienten und Patientinnen in substitutionsgestützter Behandlung (SGB) stark von denjenigen in der Gesamtbevölkerung: Neben Überdosis/ Mischintoxikationen und erhöhten Anteilen von Traumata sind einschlägige lebensstilbedingte Vorerkrankungen die häufigste Ursache. Vor allem im Hinblick auf letztere kann die wissenschaftliche Auswertung von Todesfällen von Personen mit Opioidabhängigkeit wertvolle Hinweise für eine Optimierung des suchtmedizinischen Behandlungsangebots liefern.

Projektleitung

Philip Bruggmann, PD Dr. med., Fachleitung Innere Medizin
Simone Graf, Dr. sc. ETH, Wissenschaftliche Projektleiterin
Luis Falcato, Lic. Phil., Leitung Forschung

Auftraggeber

Arud Zentrum für Suchtmedizin

Förderung durch

Selbstfinanziert

Dauer
März 2014 – März 2018

Hepatitis C Peer-to-Peer (Arud HCV P2P)

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Die Ziele des Projekts sind eine Verbesserung des Wissens zur Hepatitis C-Prävention, der Testpraxis und der Therapietreue bei Personen mit aktivem oder ehemaligem Gebrauch von Opioiden. Dies soll durch die Einrichtung von drei Peer-Instrumenten erreicht werden: Prävention an Treffpunkten, persönliche Unterstützung für Personen mit chronischer Hepatitis C, sowie Advocacy-Diensten.

Jüngste Literatur zeigt, dass es bei Menschen, die Drogen zu sich nehmen, immer noch eine signifikante Lücke in der Hepatitis C (HCV) Versorgung gibt: SubstanzkonsumentInnen scheinen unzureichendes Wissen über HCV zu haben. Sie sind unzureichend getestet, und von denjenigen mit chronischer Hepatitis C hat nur ein geringer Anteil eine Behandlung begonnen. Schliesslich konzentrieren sich präventive Maßnahmen auf Menschen mit injizierendem Drogenkonsum, während andere SubstanzkonsumentInnen selten angesprochen werden. Es besteht daher ein Bedarf für die Entwicklung eines Ansatzes, der in allen Gruppen von Substanznutzenden wirksam ist und Ergebnisse erzielt. Community-basierte Methoden, insbesondere Peer-to-Peer-Arbeit (P2P), könnten eine nützliche Grundlage darstellen, um diese Herausforderungen effektiv zu bewältigen.

Eine wissenschaftliche Bewertung der Wirksamkeit der drei Peer-Interventionen ist ein weiteres Ziel des Projektes: Dazu werden die Auswirkungen der P2P-Instrumente auf präventives Wissen, Testpraxis und Therapieadhärenz mittels qualitativer und quantitativer Methoden auf verschiedenen Ebenen gemessen.

Es handelt sich um ein Pilotprojekt im Bereich Peer-Arbeit, das bei Erfolg für die Ausweitung der Angebotspalette auch über den Hep C / Opioid Bereich hinaus genutzt und als Best Practice Beispiel in die kantonale/regionale Versorgung eingebaut werden könnte. Im Unterschied zu anderen Instrumenten mit ähnlichem Fokus arbeiten bei Arud HCV P2P Betroffene (Peers) von der Planung über die Umsetzung bis zur Evaluation am Projekt mit.

Projektleitung

Philip Bruggmann, PD Dr. med., Fachleitung Innere Medizin
Martin Luck, MAS Sozialmanagement, Projektleiter
Luis Falcato, Lic. Phil., Leitung Forschung

Auftraggeber

Arud Zentrum für Suchtmedizin

Förderung durch

Bundesamt für Gesundheit, Gilead Switzerland, Abbvie, MSD, Fondation Sana, Hans und Gertrude Oetiker Stiftung

Dauer
März 2017 – März 2019

COPD bei Personen mit Opioidabhängigkeit in der Substitutionsbehandlung

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Die COPD-Studie ist ein diagnostisches Forschungsprojekt in einer klinischen Kohorte im Arud Zentrum für Suchtmedizin.

Die Prävalenz der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) bei Personen mit Opioidabhängigkeit wurde bislang kaum untersucht. Auch die Bereitschaft von Personen in einer substitutionsgestützten Behandlung (SGB), eine pharmakologische oder andere Therapie der COPD in Anspruch zu nehmen, oder für eine Änderung des Lebensstils zur Verringerung der Risikoexposition (Rauch-Stopp), sind noch nicht untersucht. Trotz einer vermutlich erhöhten Prävalenz ist die Anzahl der behandelten SGB-PatientInnen mit COPD in gering.

Hauptziel ist es, die Prävalenz der COPD und Verteilung der COPD-Schweregrade sowie entsprechender Risikofaktoren in einem repräsentativen Sample opioid-abhängiger Personen in SGB festzustellen. Es werden Daten zu Rauchgewohnheiten, Drogenkonsum und Vorerkrankungen erhoben. Zusätzlich wird ein Lungenfunktionstest unter ärztlicher Beobachtung absolviert. Die Ergebnisse werden anschliessend mit dem Arzt besprochen. Falls nötig und erwünscht, können eine Behandlung diskutiert werden, welche jedoch nicht Teil der Studie ist. In die Studie werden insgesamt 120 Personen eingeschlossen.

Um die medizinischen Behandlungsangebote und die Prävention für dieses Patientenkollektiv zu verbessern und Kosten zu vermeiden (weniger Krankenhausaufenthalte aufgrund von Exazerbationen), ist die detaillierte Untersuchung der COPD-Prävalenz bei PatientInnen in SGB ein wichtiger Schritt. Aufgrund der Alterung der opiatabhängigen Personen in der Schweiz gewinnt dies zunehmend an Bedeutung.

Projektleitung

Philip Bruggmann, PD Dr. med., Fachleitung Innere Medizin
Luis Falcato, Lic. Phil., Leitung Forschung

Auftraggeber

Arud Zentrum für Suchtmedizin

Förderung durch
Dauer
November 2016 – März 2018

SAMMSU-Kohorte

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Ziel des Projektes ist es, ein Netzwerk als gemeinsame Plattform für alle Experten und Organisationen aufzubauen, die in der Schweiz für die Behandlung von Drogenkonsumenten tätig sind, um die interdisziplinäre medizinische Versorgung von Substanznutzenden einschliesslich präventiver Aspekte zu verbessern.

Die SAMMSU-Kohorte ist eine offene Kohorte, die darauf abzielt, repräsentative Daten für die deutsche, französische und italienische Schweiz zu erheben, von Personen, die Opioidsubstitution bei einem Anbieter mit integrierter somatischer Versorgung in Anspruch nehmen. Die longitudinale Datenerhebung wird auf jährlicher Basis durchgeführt: Zu Beginn und anschliessend in jährlichen Abständen wird eine Reihe von soziodemografischen und medizinischen Daten erhoben, darunter Drogenkonsum, Risikoverhalten, Komorbiditäten, Medikamente, Impfungen und Labordaten (e-CRF). Die Standardanalyse umfasst die regelmässige Beschreibung des Samples. Der vollständige Datensatz kann für die Analyse eines bestimmten Projekts beantragt werden.

Projektleitung

Alberto Moriggia, Dr. med. (Präsident), Epatocentro Ticino & Ingrado Centro per Le Dipendenze, Lugano

Projektleitung Arud

Philip Bruggmann, PD Dr. med., Fachleitung Innere Medizin

Auftraggeber

Swiss Association for the Medical Management in Substance Users (SAMMSU)

Kooperationspartner

Arud Zentrum für Suchtmedizin

Förderung durch
Dauer
Mai 2011 – heute

INCAS-Studie

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Die INCAS-Studie (International Naturalistic Cohort-study of ADHD and SUD) ist eine naturalistische Verlaufsbeobachtung über neun Monate zu den Behandlungsmodalitäten und Ergebnissen der Therapie von ADHS im Suchtbehandlungssystem und der Identifikation von Prädiktoren.

Ziel der Studie ist zum einen die Beschreibung der Ergebnisse verschiedener Behandlungsangebote für PatientInnen mit Substanzkonsumstörungen, die auch noch an einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) leiden. Zum andern sollen Behandlungs- und Patientenmerkmale gefunden werden, die helfen, den Erfolg dieser Behandlungsangebote vorherzusagen.

Neben demographischen Angaben werden auch Daten zur Behandlungsgeschichte des Substanzkonsums, des ADHS und anderer psychischer Störungen erhoben sowie das aktuelle Substanzkonsummuster, die ADHS-Symptome und die Behandlungsmerkmale erfasst.

In der Schweiz nehmen zehn Einrichtungen an der Studie teil, an der weitere acht europäische Länder und die USA beteiligt sind.

Projektleitung

Franz Moggi, Prof. Dr. (Board Member), Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrische Universitätsklinik Bern

Projektleitung Arud

Thilo Beck, Dr. med., Fachleitung Psychiatrie

Auftraggeber

International: International Collaboration on ADHD and substance abuse (ICASA)
National: Franz Moggi, Prof. Dr., Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bern

Kooperationspartner

Arud Zentrum für Suchtmedizin

Dauer
September 2017 – Mai 2019

Downloads

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Fachartikel & Publikationen

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Schriftenreihe Arud-Forschung

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Nr. 15

Erfolgsfaktoren von Peer-Arbeit im Umfeld von Substanzgebrauch und Hepatitis C

Simone Graf, Luis Falcato, Philip Bruggmann
Nr. 14

Leberschädigungen und Substanzkonsum

Luis Falcato, Simone Graf, Philip Bruggmann
Nr. 13

Hepatitis-C-Versorgung in den Kontakt- und Anlaufstellen

Peter Menzi (Infodrog), Regine Hoffmann (K+A Zürich), Philip Bruggmann (Arud)